Ferngesteuerte DIY Cable Cam

DeekeDeeke Member
bearbeitet 25. August in Projekte vorstellen

Hallo Zusammen,

Drohneaufnahmen sind heutzutage fast schon normal. Doch was, wenn es mal etwas enger zugeht oder man an dem Ort nicht fliegen kann oder darf?
Bei professionellen Filmproduktionen kommen hier, neben Kran- und Dollyaufnahmem, häufig sogenannte Cable-Cams zum Einsatz. Diese habt ihr sicher auch schon mal im Stadion gesehen.
Da die meisten von uns dafür keine Hypothek aufs Haus aufnehmen wollen, zeige ich euch heute wie man diese auch relativ einfach mit einem 3D-Drucker und einem alten RC Auto bauen kann.


Ich habe die Teile alle selbst konstruiert und nach meinen vorhandenen Bauteilen angepasst. Da es sicher aber um Standardkomponenten handelt, solltet ihr alles so oder in ähnliche Form bekommen können.

Für den Aufbau benötigt ihr:
(www.thingiverse.com/thing:4577870)
1x Arm links (Druckteil) (Pos. 1)
1x Arm rechts (Druckteil) (Pos. 2)
1x Grundplatte (Druckteil) (Pos. 3)
1x Rückenplatte (Druckteil) (Pos. 4)
1x Ritzelrad z=95; m=0,7 (Druckteil) (Pos. 5)
2x Laufrolle (Druckteil) (Pos. 6)
1x Kamerahalter (Druckteil) (Pos. 7.1)
1x Kamerahalter GoPro (Druckteil) (Pos. 7.2)
5x Rillenkugellager 608ZZ (Pos. 8)
4x M6 x 25 Zylinderkopfschraube (Pos. 9)
4x M6 (Selbstsichernde) Mutter (Pos. 10)
5x M8 x 25 Zylinderkopfschraube (Pos. 11)
2x M8 x 30 Zylinderkopfschraube (Pos. 12)
5x M8 (Selbstsichernde) Mutter (Pos. 13)
3x M8 U-Scheibe (Pos. 14)
1x 18650er Batteriehalter für 7,4V (Pos. 15)
1x Handsender
1x Empfänger für Handsender (Pos. 16)
1x Brushed Regler (Pos. 17)
1x Brushed Motor 390er inkl. M2,5x6 Zylinderkopfschrauben (Pos. 18)
1x Motorritzel Modul = 0,7; Zähnezahl = 17 inkl. Madenschraube zur Sicherung (Pos. 19)
1x ¼" Schraube Kopfdurchmesser 12 mm; Gewindelänge 8mm (Pos. 20.1)
1x M5 Hutmutter (alternativ zur ¼"Schraube - GoPro Mount) (Pos. 20.2)
2x 18650er Akkus (Pos. 21)
1x Montageklebeband
3 mm Seil (in meinem Fall 30 m lang) (Pos. 22)

Lötkolben
Seitenschneider
5er & 6er Innensechskantschlüssel
Schrumpfschlauch
Schraubensicherungslack (optional)

Zunächst fangt ihr damit an die 3D Dateien von meiner Thingiverse-Seite (www.thingiverse.com/thing:4577870) zu laden.
Ausgedruckt habe ich die Arme in PETG und den Rest in PLA. Im Prinzip sollte das aber keine große Rolle spielen.

Druckeinstellungen:
Ich habe der Kontur jeweils 4 Schichten gegeben und eine Layerhöhe von 0.2 mm gewählt. Support habe ich bei den Armen komplett weggelassen und bei den anderen Teilen jeweils nur vom Druckbett zugelassen. Die Rollen sind da etwas tricky aber ihr bekommt das schon hin. Je nach Drucker kann es helfen die Schichthöhe deutlich zu verkleinern.
Nach dem Drucken fix alle Teile vom Support befreien und evtl. überstehendes Material entfernen, ihr kennt das. Achtet auf jeden Fall darauf, dass das Ritzel sauber ist.

Anschließend könnt ihr schon die Lager in die entsprechenden Lagersitze einpressen. Diese sollten schön stramm im Druckteil sitzen und nicht verkanten. Im Zweifel könnt ihr den Lagern mit einer der M8 Schrauben den nötigen „Nachdruck“ verleihen.

Den Zusammenbau macht ihr einfach gemäß folgender Zeichnung, dieser ist aber auch relativ selbsterklärend. Die U-Scheiben zwischen Lager und Druckteil sorgen übrigens für einen leichteren Lauf der Rollen. Die Arme hingegen sollen ruhig etwas schwergängig sein.

Zusammenbau-Zeichnung (die PDF habe ich angehängt)

Die Aufnahme für den Motor ist so konstruiert, dass sich das Ritzelspiel einstellen lässt. Verschiebt den Motor bis das Getriebepaar leicht läuft, nicht klemmt aber auch kein Spiel hat.

Zur Befestigung der Kamera habe ich unten einen Schuh mit entsprechenden Aufnahmen entworfen. Hier könnt ihr zwischen einer ¼ Zoll und einer GoPro-Mount Version wählen bzw. wechseln. Beim GoPro Halter benötigt ihr die M5 Hutmutter, ansonsten die ¼" Schraube. Letztere bietet sich an einzukleben. Anschließend müsst ihr die Aufnahme nur in den Schuh einpressen.
Evtl. müsst ihr hier an eurem Druckteil etwas nacharbeiten, die Teile müssen jedoch verpresst werden, damit eure Kamera keinen Abgang macht.

Es bietet sich an, sämtliche Schraubverbindungen mit “Loctite mittelfest” (oder anderem Schraubensicheringslack) zu sichern.

Sind die mechanischen Komponenten installiert, geht es an die Elektrik.
Batteriehalter, Regler und Empfänger habe ich mit Montageklebeband befestigt und das Batteriekabel durch die Öffnung geführt.

Übrigens: Die Originalkabel des Batteriehalters habe ich durch die vom Empfänger getauscht. Die alten waren mir dann doch etwas zu “querschnittsarm”.
Motor, Regler und Akkukabel habe ich direkt verlötet, weil ich nicht so viele Steckverbindungen und Kabelsalat wollte. Anschließend habe ich das Gewirr ein wenig mit Kabelbindern gebändigt. Das könnt ihr aber machen wie ihr wollt. Anschließend verbindet ihr noch den Regler mit dem Empfänger (in meinem Fall Kanal 1). Jetzt nur noch die Fernbedienung mit dem Empfänger binden (falls nicht schon passiert).

Ich habe die Steuerung des Motors auf den Lenkkanal gelegt, um so gleichmäßig in beide Richtungen fahren zu können.
Kurzer Trockentest ohne Seil um zu sehen ob alles funktioniert und schon kann die Party steigen.

Sucht euch zwei stabile Bäume oder ähnliche Befestigungspunkte und spannt das Seil bis die Cable Cam genügend Traktion hat um sauber fahren zu können. Das ist ein bisschen Übungssache, aber den Bogen habt Ihr schnell raus. Kleiner Tip: Googlet mal Topsegelschotstek dieser Knoten wird euch zusammen mit dem Palstek oft das Leben erleichtern.

Herzlichen Glückwunsch Ihr habt eure eigene ferngesteuerte Cable Cam. Ich habe unten noch ein kleines Kugelgelenk mit 1/4” Schraube angebracht um flexibel die Neigung einstellen zu können. Je nach Gewicht der Kamera steht das Gebilde nämlich etwas schwäg. Gerade bei leichten Kameras wie der Insta360 One R hilft das sehr. Die Cable Cam ist aber auch stabil genug um einen Gimbal mit einer DSLR zu transportieren.

Ihr habt euch vielleicht gefragt, wofür die kleinen Löcher in den Armen sind. Hier kann man eine Sicherungsschlaufe anbringen, damit nichts passiert, wenn das Gefährt doch mal von dem Seil hüpft. Ich verwende dazu Kabelbinder die man wieder öffnen kann. Ich übernehme aber natürlich keine Garantie für euer Material, passt also bitte auf, wenn Ihr eine Kamerafahrt über den Grand Canyon macht.

In diesem Projekt stecken echt einige Stunden Arbeit und Herzblut. Ich würde mich wirklich freuen ein paar Kommentare von euch zu lesen und vielleicht den ein oder anderen Nachbau zu Gesicht zu bekommen.

Lasst es euch gut gehen.

Schöne Grüße Deeke

Kommentare

  • ChristianChristian Administrator admin

    Beeindruckend, @Deeke. Hast du schon erste Aufnahmen damit gemacht?

  • DeekeDeeke Member
    bearbeitet 26. August

    Hallo Christian,
    Ja ich/wir haben schon einige Aufnahmen damit gemacht. Du kannst ein Video auf meinen Youtube Kanal sehen:

    Oder bald ein paar Aufnahmen in unseren nächsten beiden TechnikHelden-Videos.

    Gruß Deeke

  • ChristianChristian Administrator admin

    Sehr amtlich! Wie kommt der Wechsel von Fisheye-Optik auf normal zustande?

  • DeekeDeeke Member

    Mehr dazu im Video. Also immer schön den Conrad Kanal im Auge behalten ;-)

  • goatygoaty Member ✭✭✭

    Boah Neid, das ist ja Mal ein geiles Projekt und so professionell, das ist ja fast nicht erlaubt.

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